Feinwertung

Feinwertung (Tie-Break)

Als Feinwertung bezeichnet man zusätzliche Wertungskriterien, die in Schachturnieren angewendet werden, wenn nach der regulären Turnierwertung mehrere Spieler oder Mannschaften die gleiche Punktzahl erreicht haben, die Rangliste aber dennoch eindeutig festgelegt werden muss.

Die normale Turnierwertung basiert in der Regel auf der klassischen Punktvergabe:

  • Sieg = 1 Punkt
  • Remis = 0,5 Punkte
  • Niederlage = 0 Punkte

Reicht die erzielte Gesamtpunktzahl zur Unterscheidung nicht aus, kommen Feinwertungen zum Einsatz. Welche Feinwertungen angewandt werden und in welcher Reihenfolge, ist Bestandteil der Turnierausschreibung. Sie werden nacheinander geprüft, bis eine eindeutige Reihenfolge entsteht.

Zweck der Feinwertung

Feinwertungen sollen Unterschiede sichtbar machen, die sich nicht allein aus der Punktzahl ergeben, etwa:

  • unterschiedliche Stärke der Gegner,
  • unterschiedliche zeitliche Verteilung der erzielten Punkte,
  • direkte Ergebnisse innerhalb einer punktgleichen Gruppe.

Sie dienen damit der Differenzierung, nicht der Veränderung der eigentlichen Punktwertung.

Häufig verwendete Feinwertungen

Zu den im Turnierbetrieb gängigen Feinwertungen zählen unter anderem:

  • Buchholz-Wertung (BU):
    Summe der Punkte aller Gegner eines Spielers, unabhängig vom eigenen Ergebnis gegen diese Gegner.
  • Mittlere Buchholz (BU-M1 / BH-M1):
    Variante der Buchholz-Wertung, bei der der stärkste und der schwächste Gegner gestrichen werden; häufig ergänzt durch weitere Streichwerte.
  • Verfeinerte Buchholz-Wertung (Buchholz-Buchholz):
    Summe der Buchholzzahlen der Gegner; wird eingesetzt, wenn Punktzahl und Buchholz gleich sind.
  • Sonneborn-Berger-Wertung (SB):
    Gewichtete Wertung, bei der nur Gegner berücksichtigt werden, gegen die man gepunktet hat (Sieg = volle Gegnerpunkte, Remis = halbe).
  • Summen- bzw. Fortschrittswertung (PS):
    Addition der nach jeder Runde erreichten Gesamtpunkte; frühe Erfolge wirken stärker als späte.
  • Direkter Vergleich (DE):
    Auswertung der Ergebnisse innerhalb der punktgleichen Gruppe; nur möglich, wenn alle Betroffenen gegeneinander gespielt haben.

Praxis

In der Praxis besteht die Feinwertung nicht aus einem einzelnen Kriterium, sondern aus einer festgelegten Reihenfolge mehrerer Wertungen. Üblich sind:

  • Zweitwertung (z. B. Buchholz)
  • Drittwertung (z. B. Sonneborn-Berger)
  • gegebenenfalls Viertwertung (etwa Anzahl der Siege oder direkter Vergleich)

Erst wenn eine Wertung keine Entscheidung bringt, wird die nächste herangezogen.

Welche Feinwertungen in welcher Reihenfolge angewandt werden, muss vor Turnierbeginn in der Ausschreibung festgelegt sein. Nur so ist für alle Teilnehmenden transparent, nach welchen Kriterien bei Punktgleichheit die Platzierungen ermittelt werden.

In der Regel wird die Buchholz-Wertung als Zweitwertung bei Turnieren nach dem Schweizer System eingesetzt, während die Sonneborn-Berger-Wertung ursprünglich für Rundenturniere („Jeder gegen jeden“) entwickelt wurde und dort besonders aussagekräftig ist. Sie wird jedoch auch bei Schweizer System Turnieren häufig als Drittwertung, also zweite Feinwertung, herangezogen.

Korrektur von Feinwertungen nach FIDE

Bei bestimmten Feinwertungen – insbesondere Buchholz und Sonneborn-Berger – kann eine Korrektur nach FIDE angewandt werden. Diese Korrektur soll den Einfluss von kampflosen Siegen, spielfreien Runden oder Rücktritten einzelner Teilnehmer auf die Feinwertung vermindern.

Ohne Korrektur können solche nicht gespielten Partien die Feinwertung verzerren, da sie keinen sportlichen Vergleich ermöglichen, aber dennoch rechnerisch in die Wertung einfließen würden. Die Korrektur sorgt dafür, dass die Feinwertung stärker auf tatsächlich gespielten Partien basiert.

Bedeutung im Turnierbetrieb

Feinwertungen sind ein unverzichtbarer Bestandteil moderner Schachturniere, insbesondere bei großen Open-Turnieren im Schweizer System. Sie ermöglichen eine nachvollziehbare Ranglistenbildung, ohne zusätzliche Stichkämpfe durchführen zu müssen.

Gleichzeitig gelten Feinwertungen als annähernde Kriterien: Sie schaffen Ordnung, ersetzen aber nicht immer eine sportliche Entscheidung am Brett. Deshalb werden bei wichtigen Qualifikationsplätzen oder Titelentscheidungen teils Stichkämpfe gegenüber Feinwertungen bevorzugt.

Zur Übersicht:
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