Buchholz

Buchholz-Wertung als Feinwertung

Die Buchholz-Wertung ist eine von mehreren Feinwertungen, die bei Schachturnieren nach dem Schweizer System angewandt wird. Sie wurde 1932 von Bruno Buchholz entwickelt und dient dazu, punktgleiche Spieler anhand der im Turnier erzielten Ergebnisse ihrer Gegner zu unterscheiden.

Die Buchholz-Zahl eines Spielers ergibt sich aus der Summe der Punkte aller Gegner, gegen die er im Turnier gespielt hat – unabhängig vom Ausgang der einzelnen Partien. Ein Spieler mit höherer Buchholz-Zahl wird bei gleicher Punktzahl besser platziert, da er im Turnierverlauf gegen insgesamt erfolgreichere Gegner angetreten ist.

Um Zufälligkeiten zu reduzieren, werden in der Praxis häufig Streichungen vorgenommen, etwa indem die Ergebnisse des stärksten und/oder schwächsten Gegners gestrichen werden (gemittelte Buchholz-Wertung). Reicht dies nicht aus, kann als weitere Feinwertung die verfeinerte Buchholz-Wertung herangezogen werden, bei der die Buchholz-Zahlen der Gegner addiert werden.

Die Buchholz-Wertung ist vor allem für große Open-Turniere geeignet, da sie Unterschiede in der gegnerischen Auslosung ausgleicht, ohne auf komplexe Berechnungen zurückzugreifen.

Vergleich zur Sonneborn-Berger-Wertung:

Die Buchholz-Wertung berücksichtigt die Endpunkte aller Gegner.
Die Sonneborn-Berger-Wertung berücksichtigt nur die Endpunkte jener Gegner, gegen die man gepunktet hat.

Praktische Folgen im Turnier:

  • Buchholz bevorzugt Spieler, die insgesamt gegen starke Gegner gelost wurden – unabhängig davon, ob sie dort gewonnen oder verloren haben.
  • Sonneborn-Berger bevorzugt Spieler, die gegen starke Gegner tatsächlich gepunktet haben.

Der merkwürdige Fall des Bruno Buchholz

Über Bruno Buchholz, den Erfinder der nach ihm benannten Buchholz-Wertung, ist erstaunlich wenig bekannt. Während sein Tie-Break-System weltweit bei Turnieren nach dem Schweizer System verwendet wird, sind biografische Daten zu seiner Person nur fragmentarisch überliefert.

Gesichert ist, dass Buchholz aus Magdeburg stammte und dort 1927 beim 25. Kongress des Deutschen Schachbundes als Sekretär und Turnierdirektor tätig war. Einige Jahre später wirkte er auch als Schachschriftsteller und beklagte in einer Veröffentlichung den mangelnden Umgang mit Turnierberichten – ein Hinweis darauf, dass ihm Dokumentation und Struktur im Schachbetrieb wichtig waren.

Vieles darüber hinaus bleibt unsicher. Es wird vermutet, dass die Buchholz-Wertung erstmals 1932 bei einem Turnier in Bitterfeld angewandt wurde. Auch mögliche berufliche Hintergründe oder genaue Lebensdaten lassen sich nicht zuverlässig belegen; teils wird ein Todesjahr um 1958 angenommen.

So bleibt Bruno Buchholz eine der stillen Figuren der Schachgeschichte: persönlich kaum greifbar, aber mit einem nachhaltigen Einfluss auf die Turnierpraxis, der bis heute wirkt.

Quelle: The Curious Case of Bruno Buchholz | by Yamil Duba | Medium

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